Hitze lässt Selbstmordrate steigen

Die Hitze der letzten Wochen hat nicht nur negative Auswirkungen auf die Pflanzen sondern auch auf uns Menschen. Dies belegt eine Studie der Standorf University (Nature Climate Change, 10.1038/s 41558-018-0222-x).
Sie untersuchten am Beispiel der USA und Mexico den Zusammenhang zwischen hohen Temperaturen und der Selbstmordrate. Insbesondere wenn ein Mensch schon unter Depressionen leidet, kann die Hitze den finalen Schritt auslösen und den Menschen in den Suizid treiben. Die Forscher untersuchten dabei den Anstieg der Hitze und den Gebrauch depressiver Sprache bei Facebook, Twitter und Co.

Die Forscher der Stanford University kamen dabei zu dem Schluss, dass durch den klimawandel bedingten globalen Temperaturanstieg bis 2050 rund 21.000 Selbsttötungen in den USA und Mexico auf die Hitze zurückzuführen sein werden. Klar ist: Depressionen und Suizidgedanken haben meist einen komplexen Hintergrund. Auch Klima und Jahreszeit gehören zu den Faktoren, haben Studien bereits gezeigt. Im Fall der Hitze gab es bisher allerdings Unklarheiten. Statistiken zeigen zwar, dass Suizide besonders häufig in den warmen Monaten auftreten. Doch auch andere Faktoren außer der Temperatur variieren in dieser Zeit – wie etwa die Arbeitslosenrate. Um die Rolle der Temperatur von anderen Faktoren zu trennen, verglichen Burke und seine Kollegen Temperatur- und Suiziddaten von Tausenden von US-Bezirken und mexikanischen Gemeinden aus mehreren Jahrzehnten. Um zusätzlich konkrete Hinweise zu bekommen, inwieweit Hitze das mentale Wohlbefinden von Menschen beeinflusst, analysierte das Team außerdem die Sprache in Millionen von Äußerungen auf der Internetplattform
Twitter.

Was Menschen bei Hitze twittern

In den Auswertungen zeichnete sich nun deutlich ab: Heißes Wetter erhöht in der Tat die Suizidrate. Demnach ist eine Steigerung der durchschnittlichen monatlichen Temperatur von einem Grad Celsius mit einem Anstieg der Suizidrate um 0,68 Prozent in den USA und 2,1 Prozent in Mexiko verknüpft. Dieser Effekt spiegelt sich auch in den Äußerungen in den sozialen Medien wider: Im Zusammenhang mit Hitzewellen tauchen beispielsweise auffallend häufig Begriffe wie „einsam“, „gefangen“ oder „Selbstmord“ auf.

Um den Faktor Klimawandel in diese Ergebnisse einzubeziehen, verwendete das Team Projektionen aus globalen Klimamodellen. Sie errechneten, dass die Temperaturerhöhung bis 2050 die Suizidrate in den USA um 1,4 Prozent und in Mexiko um 2,3 Prozent erhöhen könnte. Konkret würde dies bis 2050 zusätzlichen 21.000 Suiziden in beiden Ländern entsprechen. Die Effekte des Klimawandels sind damit ungefähr so groß wie der Einfluss von wirtschaftlicher Rezession, erklären die Forscher. „Überraschenderweise sind die Effekte wenig damit verknüpft, wie wohlhabend die Populationen sind oder ob sie an warmes Wetter gewöhnt sind oder nicht“, sagt Burke.
Ein Co-Faktor mit zunehmender Bedeutung

In früheren Untersuchungen haben die Forscher bereits Hinweise dafür gefunden, dass Menschen bei Hitze aggressiv werden und mehr zu Gewalt neigen. „Jetzt zeichnet sich ab, dass einige Menschen die Gewalt auch gegen sich selbst richten. Es scheint, dass Hitze den Geist stark beeinflusst und dazu führen kann, dass Menschen Schaden anrichten“, resümiert Co-Autor Solomon Hsiang von der University of California in Berkeley.

Abschließend betonen die Autoren, dass die steigenden Temperaturen nicht als direkte Motivation für Suizid angesehen werden dürfen. Es handelt sich allerdings um einen Faktor, der die Wahrscheinlichkeit beeinflussen kann. „Heißere Temperaturen sind eindeutig nicht der einzige und auch nicht der wichtigste Risikofaktor für Suizid“, so Burke. „Aber unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Erwärmung einen überraschend großen Einfluss auf das Suizidrisiko haben kann. Diese Erkenntnis ist wichtig für das Verständnis von psychischer Gesundheit und für die Einschätzung der möglichen Folgen des Klimawandels“, sagt der Wissenschaftler.

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